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Abteilung: Literatur

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DadA-Literatur, Dok.-Nr.: DA-L0000897

Berg, Hubert van den
"Frauen, besonders Frauenrechtlerinnen, haben keinen Zutritt!": Misiogynie und Antifeminismus bei Erich Mühsam. - In: IWK 28 (1992), H.4 (Dez.), S.479-510

ABSTRACT:
"In den letzten Jahrzehnten sind verschiedene Untersuchungen erschienen, die den Auffassungen der deutschen - männlich dominierten - sozialistischen Arbeiterbewegung über die soziale, wirtschaftliche und politische Stellung der Frauen sowie dem Verhältnis des Sozialismus und Kommunismus marxistischer Provinienz zu zeitgenössischen feministischen Bestrebungen in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewidmet sind. Die Beschreibung anarchistischer, libertär sozialistischer Überlegungen zur 'Frauenfrage' steht dagegen größtenteils noch aus." Dies ist der Ausgangspunkt der Untersuchung von van den Berg, die sich besonders mit dem Erich Mühsam der Bohemezeit (1900-1914) beschäftigt. Nach Ansicht des Autors zeichnet sich in Mühsams Frühwerk "nicht nur eine vehemente Misiogynie sondern auch ein unmißverständlicher Antifeminismus ab, der allmählich für eine scheinbare Ersatzmöglichkeit zu den 'kleinlichen Rechtsforderungen' der Frauenbewegung eingetauscht wird." Van den Berg versucht dabei nachzuweisen, daß Mühsams Misiogynie (Frauenhaß) keine Individualerscheinung war, sondern typisch für das übliche patriarchalische Denken im (libertär) sozialistischen Spektrum seiner Zeit. Eingehender beschäftigt er sich deshalb mit Persönlichkeiten der Münchner Boheme (wie Julius Bab, Otto Gross und Gustav Landauer). Einer näheren Betrachtung werden auch die von den Anarchisten vertretenen Ideen der "Freien Liebe", der "freien Ehe" und des "Gebärstreiks" unterzogen. Dabei berücksichtigt der Autor die Veröffentlichungen und internen Korrespondenzen folgender Repäsentanten der anarchistischen und Boheme-Bewegung: Jaques Anneliese Bergmann, Fritz Brupbacher, Diogenes [Hans Timm?], Emil F. Ruedenbuesch, Margarete Faas-Hardegger, Aimée Köster, Jaques Mesnil, Fritz Oerter, Pierre Ramus, Robert Reitzel, Franziska Gräfin zu Reventlow, Ernst Schnur, Paul Vandree, Madelene Vernet, Max Winkler und Victor Yarros. Van den Berg kommt in seiner Untersuchung anarchistischer "Lösungsvorschläge zur Frauenfrage" zu dem Schluß: "Gerade die libertären Auffassungen über die gesellschaftliche Position der Frau vor dem Ersten Weltkrieg legen die Annahme nahe, daß eher von einer unreflektierten (oder sogar bewußten) Übernahme - die Arbeitsteilung aufgrund von Geschlecht festschreibender - patriarchalisch-biologistischer Ideologeme, kurzum von Konformismus gesprochen werden muß."
[Bearb.: js]

Bearbeitungsstand: 01.11.1999



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Die DadA-Kritik: copy-and-paste-Syndikalismusforschung. Helge Döhring's bedenklicher Umgang mit Quellen

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